Wissen · KI im Business
Claude für dein Business: einmal einrichten, immer im eigenen Ton
Kurz gesagt
Du kannst Claude einmal einrichten, sodass es dein Geschäft, deine Kundinnen und deinen Ton kennt und diese Grundlage bei jedem Gespräch mitbringt. Der Weg dafür heißt Projekt: ein eigener Arbeitsbereich, in dem du festlegst, welche Rolle Claude übernehmen soll, und in den du deine Markendokumente hochlädst. Jedes Gespräch in diesem Projekt kennt danach beides, ohne dass du es wiederholst. Für Selbstständige ist das der Unterschied zwischen einer KI, die generische Texte ausspuckt, und einer Assistentin, die klingt wie du. Wie du so ein Projekt anlegst und was hineingehört, zeigt dieser Artikel.
Die meisten benutzen KI wie eine Suchmaschine: Frage rein, Antwort raus, Fenster zu. Beim nächsten Mal fangen sie wieder bei null an, erklären wieder, was ihr Geschäft ist, für wen sie arbeiten, wie sie klingen wollen. Und wundern sich, dass die Ergebnisse beliebig bleiben. Der Unterschied zwischen beliebig und brauchbar liegt nicht an der KI. Er liegt daran, ob sie dich kennt.
Warum bringt Claude ohne Vorbereitung nur Durchschnitt?
Weil es dich nicht kennt und deshalb zum Naheliegenden greift. Eine KI ohne Zusammenhang weiß nicht, dass du an Frauen Anfang vierzig schreibst, die von Social Media erschöpft sind. Sie weiß nicht, dass du keine Ausrufezeichen benutzt und keine Hustle-Sprache. Also nimmt sie den Durchschnitt aus allem, was sie je gelesen hat, und der Durchschnitt klingt immer gleich. Das ist kein Fehler der KI, das ist die logische Folge fehlender Information.
Die naheliegende Notlösung ist, bei jedem Chat vorne alles zu erklären. Das funktioniert, kostet aber jedes Mal Zeit und es geht schief, sobald du etwas vergisst. Die bessere Lösung ist, diese Erklärung einmal an einen Ort zu legen, an dem sie automatisch mitkommt. Genau dafür sind Projekte gedacht.
Was ist ein Projekt und was gehört hinein?
Ein Projekt ist ein eigener Arbeitsbereich in Claude, der zwei Dinge dauerhaft festhält: eigene Anweisungen und hochgeladene Dateien. Die Anweisungen sagen, wer Claude in diesem Projekt sein soll und wie es arbeiten soll. Die Dateien sind das Wissen, auf das es sich stützt. Jedes Gespräch, das du innerhalb des Projekts beginnst, kennt beides automatisch, ohne dass du etwas wiederholst. Welche Grenzen dabei gelten, etwa wie viele Dateien möglich sind, hängt vom Plan ab und ändert sich mit der Zeit, prüfe den aktuellen Stand, wenn du anfängst.
In die Anweisungen gehören vier Dinge: die Rolle („du bist meine Texterin für die Marke X"), wer deine Kundin ist, wie du klingen willst und was du nicht willst. Der letzte Punkt ist der unterschätzte. Eine Liste dessen, was du nie sagen würdest, wirkt oft stärker als jede Beschreibung deines Wunschtons. In die Dateien gehört alles, was deine Marke festlegt: deine Positionierung, deine Markenwerte, deine Sprachregeln, gern auch Beispieltexte, die genau so klingen, wie du klingen willst.
Wie lege ich Claude eine Rolle zu, etwa Creative Director oder Pinterest-Texterin?
Indem du sie in den Anweisungen benennst, nicht über eine Funktion. Das ist wichtig zu verstehen: Die Rolle ist keine Einstellung, die du irgendwo anklickst, sondern eine Formulierung. „Du bist meine Pinterest-Texterin für die Marke X. Du schreibst Pin-Titel und Beschreibungen, die zu Suchbegriffen passen, im Ton ruhiger Klarheit, ohne Ausrufezeichen." Das genügt und es wirkt sofort, weil eine benannte Rolle die KI ausrichtet, wie eine gute Stellenbeschreibung eine neue Mitarbeiterin ausrichtet.
Der Trick liegt darin, für verschiedene Aufgaben verschiedene Projekte anzulegen, statt eines für alles. Ein Projekt für Blogtexte, eines für Pinterest, eines für die Bildideen. Jedes bekommt seine eigene Rolle und seine passenden Dateien und keines vermischt sich mit den anderen. Genau nach diesem Prinzip funktioniert übrigens die Bildsignatur: Du legst deinen Bildstil einmal fest, lädst das Ergebnis in ein Projekt und Claude wird zu deinem Creative Director, der auf Zuruf Bildideen in deinem Markenlook liefert. Für deine Sprache leistet der Marken-Kompass dasselbe: Er legt fest, wofür deine Marke steht und wie sie klingt, und dieses Ergebnis ist genau das, was in ein Text-Projekt gehört.
Wofür lohnt sich das in meinem Geschäft?
Für alles, was du regelmäßig und in gleicher Qualität brauchst. Fünf Beispiele aus verschiedenen Geschäftsmodellen, damit du siehst, wo dein Hebel liegt.
Als Shop-Betreiberin lohnt sich ein Projekt für Produkttexte. Lade deine Markenregeln und drei gute Beispiel-Beschreibungen hoch und du bekommst neue Produkttexte in derselben Handschrift, statt jede von Hand zu quälen. Als Coach lohnt sich ein Projekt für Inhalte: Blogideen, Newsletter, Antworten auf häufige Fragen deiner Klientinnen, alles auf Basis deiner Positionierung. Als Anbieterin digitaler Produkte lohnt sich ein Projekt für Verkaufstexte, das deine Angebotsstruktur und deine Zielgruppe kennt und dir Varianten liefert, die du nur noch schärfst.
Als Pinterest-Pinnerin lohnt sich ein Projekt für Pin-Texte, das deine Themen und Suchbegriffe kennt und dir zu jedem Artikel mehrere Titel und Beschreibungen in verschiedenen Blickwinkeln gibt, das ist die Arbeit, die sonst am meisten Zeit frisst. Und als Social-Media-Creator lohnt sich ein Projekt, das deinen Ton hält, damit dein Feed nach dir klingt und nicht nach einem KI-Baukasten. In allen fünf Fällen ist der Gewinn derselbe: Du sparst nicht die Arbeit des Denkens, sondern die des Wiederholens.
„Ein Projekt ist nur so gut wie das, was du hineinlegst. Wer nicht weiß, wofür er steht, kann es auch keiner KI erklären."
Deshalb ist die Vorarbeit an deiner Marke keine Nebensache, sondern die Voraussetzung.
Ersetzt das meine eigene Arbeit?
Nein und wer das verspricht, verkauft dir etwas. Ein gut eingerichtetes Projekt nimmt dir das Wiederholen ab, nicht das Urteilen. Es liefert dir Rohfassungen, Varianten, Vorschläge, aber die Entscheidung, was davon deiner Marke entspricht, bleibt bei dir. Und die Überarbeitung auch, denn ohne sie klingen Texte weiterhin nach KI, das gilt selbst mit der besten Vorbereitung.
Es gibt noch eine Grenze, die du kennen solltest: Ein Projekt ist nur so gut wie das, was du hineinlegst. Lädst du vage Beschreibungen hoch, bekommst du vage Ergebnisse. Deshalb ist die Vorarbeit an deiner Marke keine Nebensache, sondern die Voraussetzung. Wer nicht weiß, wofür er steht, kann es auch keiner KI erklären. Das ist unbequem, aber es ist der ehrliche Teil dieser ganzen Sache.
Ein letzter Gedanke
KI wird nicht dadurch nützlich, dass du das beste Werkzeug findest, sondern dadurch, dass du es einmal richtig vorbereitest. Ein Projekt, in dem deine Marke, deine Kundin und dein Ton hinterlegt sind, macht aus einem beliebigen Chatfenster eine Mitarbeiterin, die dich kennt. Fang mit einem an, dem, wo du am meisten wiederholst. Leg deine Rolle fest, lade das hoch, was deine Marke ausmacht, und arbeite eine Woche damit. Du wirst den Unterschied nicht in der Technik merken, sondern daran, dass du weniger erklären musst. Wie das im größeren Zusammenhang aussieht, gehen die neun Mails der Reihe nach durch.
Weiterlesen: Wie du gute Anweisungen formulierst, zeigt Richtig prompten. Und wie du dabei deine eigene Stimme behältst, liest du in Texte mit KI schreiben.
Häufige Fragen
Warum bringt Claude ohne Vorbereitung nur Durchschnitt?
Weil es dich nicht kennt und deshalb zum Naheliegenden greift. Eine KI ohne Zusammenhang nimmt den Durchschnitt aus allem, was sie je gelesen hat, und der klingt immer gleich.
Was ist ein Projekt und was gehört hinein?
Ein eigener Arbeitsbereich in Claude, der eigene Anweisungen und hochgeladene Dateien dauerhaft festhält. In die Anweisungen gehören Rolle, Kundin, Wunschton und was du nicht willst, in die Dateien alles, was deine Marke festlegt.
Wie lege ich Claude eine Rolle zu?
Indem du sie in den Anweisungen benennst, nicht über eine Funktion. Die Rolle ist eine Formulierung, keine Einstellung, die du anklickst, etwa „du bist meine Pinterest-Texterin für die Marke X".
Wofür lohnt sich ein Projekt in meinem Geschäft?
Für alles, was du regelmäßig und in gleicher Qualität brauchst: Produkttexte im Shop, Inhalte im Coaching, Verkaufstexte für digitale Produkte, Pin-Texte für Pinterest, Captions für Social Media, jeweils in deinem Ton.
Ersetzt das meine eigene Arbeit?
Nein. Ein Projekt nimmt dir das Wiederholen ab, nicht das Urteilen und nicht die Überarbeitung. Und es ist nur so gut wie das, was du hineinlegst.
Willst du das ganze System sehen?
In neun kurzen Mails führe ich dich durch das ganze Sichtbarkeits-System. Jeden Tag ein Baustein, mit dem Warum dahinter und dem, was er für dich konkret bedeutet. Am Ende weißt du, wo dein größter Hebel liegt.